Yoga in der Physiotherapie

Mehrwert der Integration von Yoga in die physiotherapeutische Arbeit

Die Integration von Yoga in physiotherapeutische Interventionen ist weitaus mehr als nur eine Erweitert das Bewegungsrepertoires auf ganzheitlicher Grundlage. Im Bezug auf die physische, psychische und seelische Gesundheit bietet sie sowohl den Patienten und Kursteilnehmern, als auch dem Therapeuten selbst, einen großen Mehrwert.

Die klassische Physiotherapie orientiert sich bei der Behandlung an den Beschwerden des Patienten. Meist handelt es sich dabei um Funktions-, Bewegungs-, oder Aktivitätseinschränkungen, derer Wiederherstellung das übergeordnete Ziel ist. Neben dem Einsatz manueller und passiver Methoden, wird auch die Eigenaktivität des Betroffenen gefordert und durch vielfältige Techniken und unterschiedliche physikalische Reize gefördert. Was allerdings häufig wenig Beachtung findet, ist die ganzheitliche Sicht auf den Menschen. Zwar lenkt der Therapeut bei der Anamneseerhebung durchaus den Fokus auf mögliche Zusammenhänge, so kann zum Beispiel eine Fehlbelastung der Füße als Folge eines Beckenschiefstandes erkannt werden, dennoch ist die Bandbreite der Betrachtung, je nach Ausrichtung und Zielsetzung der Behandlung, tendenziell eingeschränkt.

Yoga dagegen verbindet den Körper mit dem Geist und schafft über den Atem, der mit der Bewegung synchronisiert wird, einen weiteren Zugang zum vorliegenden Problem. Nicht alle Beschwerden haben eine seelische Ursache. Dennoch wissen wir, dass der Körper, die Psyche und die Seele eng miteinander vernetzt sind und auf Beschwerden meist „dreidimensional“ reagieren. Eine vollständige Genesung ist demnach nur dann möglich, wenn alle drei Dimensionen einbezogen werden. Yoga als Übungsweg bietet eben diesen Zugang und schließt damit eine wesentliche Lücke in der Physiotherapie. Er schafft einen Ansatz, den auch viele andere Übungsformen nicht leisten können und fordert uns heraus, die Bedürfnisse des modernen Menschen aus einer anderen Perspektive und mit einem offenen Gewahrsein zu betrachten.

Der Übergang von der Physiotherapie zum Yoga ist meist fließend. Die Übungsansätze ergänzen sich auf vielfache Weise. Denn auch in der Physiotherapie hat der Atem einen hohen Stellenwert, allerdings hier speziell in der atemtherapeutischen Behandlung, die meist nur bei bestimmten Krankheitsbildern zum Einsatz kommt. Um die Selbstheilungskräfte zu stärken und den Patienten in die Lage zu versetzen, selbstwirksam zu sein, bietet der Yoga eine kraftvolle Basis. Das gilt exemplarisch sowohl für Rückenschmerzpatienten, als auch für Krebsbetroffene. Beide Zielgruppen können durch die Verbindung aus der Physiotherapie und der Achtsamkeits- und Bewusstseinsschulung, die der Yoga beinhaltet, immens profitieren. Dauerstress und fehlende Erholung schlagen sich häufig in Rückenbeschwerden nieder, sowohl als Steigerung des Muskeltonus, als auch mental im Sinne einer Last, die auf dem Rücken getragen wird. Es kommt zu Funktionseinbußen, Schmerzen und unter Umständen auch depressiver Verstimmung. Wärmeanwendung, mobilisierende und kräftigende Übungen können allerdings nur in Verbindung mit Stressreduktion ihre volle Wirkung entfalten. Für onkologische Patienten, die durch notwendige medizinische Eingriffe an körperlichen Einschränkungen leiden, können gezielt durchgeführte physiotherapeutische Maßnahmen wertvolle Hilfestellung leisten. Zudem stellt Yoga eine Möglichkeit dar, sich selbst liebevoll anzunehmen und in allen drei Dimensionen gut für sich zu sorgen, weit über die Akutphase und Nachsorge hinaus.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt, ist die Tatsache, dass nicht nur Patienten und Kursteilnehmer von der Integration des Yoga in die Physiotherapie profitieren, sondern auch der Therapeut selbst diesen Weg als Ausgleich zum Beruf und gleichzeitig als Bereicherung für seinen Alltag erfährt. Denn Yoga bietet nicht nur Entschleunigung in einer hektischen und komplexen Zeit, sondern hilft dem Praktizierenden, den Geist zu klären, mehr Gelassenheit zu generieren – dies gilt übrigens auch im Umgang mit schwierigen Patienten – und langfristig auf die eigenen Bedürfnisse zu hören. Damit trägt er im großen Ausmaß zur physischen, psychischen und seelischen Gesundheit bei.

Wenn Sie mehr zum Konzept des PhysioYoga erfahren möchten, lade ich Sie herzlich ein, sich auf der Website der Physioyoga Akademie darüber zu informieren: www.physioyoga.com

Monika Alicja Pohl
Monika Alicja Pohl

Monika Alicja Pohl ist Inhaberin der Physioyoga Akademie und Expertin auf dem Gebiet der Selbstfürsorge. Sie ist Autorin zahlreicher Ratgeber zum Thema Persönlichkeit und Lebenshilfe. Es ist ihr ein besonderes Anliegen, Yoga in die Therapie, Prävention und Gesundheitsförderung zu integrieren und auf diese Weise Menschen zu mehr Selbstfürsorge zu ermutigen. Dafür wagt sie gerne neue Wege.